Was sind Sanktionslisten und warum sind sie wichtig?
Dieser Artikel erklärt, was Sanktionslisten sind, welche rechtlichen Folgen sie haben können und wie sie sich bei Compliance-Prüfungen von PEP-Informationen unterscheiden.
Sanktionen, auch restriktive Maßnahmen genannt, sind rechtliche Maßnahmen, die von öffentlichen Stellen verhängt werden. In der Europäischen Union werden sie im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik eingesetzt, unter anderem zum Schutz des internationalen Friedens, der Sicherheit, der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenrechte und der Grundsätze des Völkerrechts.
Sanktionslisten enthalten Personen, Organisationen, Gruppen oder Einrichtungen, die bestimmten Sanktionsmaßnahmen unterliegen. Eine Listung kann rechtliche Folgen haben, zum Beispiel das Einfrieren von Vermögenswerten, Reisebeschränkungen, Handels- oder Finanzbeschränkungen oder ein Verbot, Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen bereitzustellen.
Sanktionslisten sind daher keine allgemeinen Risikolisten. Sie stehen im Zusammenhang mit rechtlich verbindlichen Maßnahmen und müssen immer zusammen mit den jeweils anwendbaren Rechtsvorschriften geprüft werden.
Was bedeutet das Einfrieren von Vermögenswerten?
Das Einfrieren von Vermögenswerten bedeutet, dass Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen, die einer gelisteten Person oder Organisation gehören, nicht bewegt, übertragen, verändert, verwendet oder zugänglich gemacht werden dürfen.
Grundsätzlich dürfen Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen einer gelisteten Person oder Organisation weder direkt noch indirekt zur Verfügung gestellt werden, sofern keine Ausnahme oder Genehmigung gilt.
Welche Sanktionslisten sind relevant?
Auf Ebene der Europäischen Union führt die Europäische Kommission eine konsolidierte Liste der Personen, Gruppen und Organisationen, die EU-Finanzsanktionen unterliegen. Diese Liste unterstützt die Umsetzung von EU-Finanzsanktionen, insbesondere beim Einfrieren von Vermögenswerten.
Auf Ebene der Vereinten Nationen führt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine konsolidierte Liste von Personen und Einrichtungen, die Sanktionsmaßnahmen des Sicherheitsrats unterliegen.
Auch andere Rechtsordnungen können eigene Sanktionslisten führen. Welche Liste relevant ist, hängt vom anwendbaren Recht, den beteiligten Parteien und dem konkreten geschäftlichen Zusammenhang ab.
Was bedeutet ein Treffer auf einer Sanktionsliste?
Ein Treffer bedeutet, dass eine Person, ein Unternehmen oder eine andere Organisation möglicherweise einem Eintrag auf einer anwendbaren Sanktionsliste entspricht.
Ein möglicher Treffer sollte sorgfältig geprüft werden, da Namen ähnlich sein können. Sanktionslisteneinträge können zusätzliche Identifikationsmerkmale enthalten, zum Beispiel Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Adresse, Registrierungsnummer oder andere Angaben zur Identifizierung.
Wenn ein Treffer bestätigt wird, hängen die rechtlichen Folgen von der jeweiligen Sanktionsregelung ab. Bei Finanzsanktionen kann dies insbesondere bedeuten, dass Vermögenswerte eingefroren werden müssen und dass Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen nicht bereitgestellt werden dürfen.
Warum sind Sanktionslisten für Compliance-Prüfungen wichtig?
Sanktionslisten helfen dabei, Personen und Organisationen zu erkennen, die rechtlichen Beschränkungen unterliegen. Eine Sanktionsprüfung kann zum Beispiel bei Kunden, Lieferanten, wirtschaftlich Berechtigten, Geschäftspartnern, Zahlungen, Eigentumsstrukturen oder anderen Geschäftsbeziehungen relevant sein.
Ein bestätigter Treffer kann eine rechtliche und Compliance-bezogene Prüfung erforderlich machen. In Deutschland können Verstöße gegen Finanzsanktionen nach dem Außenwirtschaftsgesetz als Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten behandelt werden.
Werden Sanktionslisten aktualisiert?
Sanktionslisten können sich ändern, wenn neue Sanktionen beschlossen, bestehende Maßnahmen geändert oder Personen beziehungsweise Organisationen von einer Liste entfernt werden. Deshalb sollten Sanktionsinformationen immer anhand der aktuellen offiziellen Quelle und des anwendbaren Rechtsakts geprüft werden.
Unterschied zwischen Sanktionslisten und PEP-Informationen
Sanktionslisten und PEP-Informationen werden beide für Compliance-Prüfungen verwendet, haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen.
Eine Sanktionslistung steht im Zusammenhang mit rechtlich verbindlichen restriktiven Maßnahmen. Je nach Sanktionsregelung kann sie zum Einfrieren von Vermögenswerten, zu Transaktionsbeschränkungen oder zu einem Verbot der Bereitstellung von Geldern oder wirtschaftlichen Ressourcen führen.
Eine PEP-Einstufung ist dagegen eine Risikoeinstufung nach den Vorschriften zur Geldwäscheprävention. PEP steht für Politically Exposed Person, also politisch exponierte Person. Der Begriff bezeichnet eine natürliche Person, die ein hochrangiges wichtiges öffentliches Amt ausübt oder ausgeübt hat.
Der PEP-Status bedeutet nicht, dass die Person sanktioniert ist oder einer rechtswidrigen Handlung beschuldigt wird.
Kurz gesagt: Sanktionslisten weisen auf rechtliche Beschränkungen hin. PEP-Informationen weisen auf einen erhöhten Prüfungs- und Sorgfaltsbedarf hin.